3 Gründe, warum du durch positive Gedanken in einer Krise das Gegenteil von dem bewirkst, was du zu bewirken glaubst

„Nach jedem Regenschauer scheint auch wieder die Sonne!“

Pflege positive Gedanken!

Wenn du dich auch an dieses Motto hältst, dann gratuliere ich dir vorab schon einmal recht herzlich.

Denn dann gehörst du zu den Menschen, die verstanden haben, dass sich alles stetig wandelt und verändert. Das spendet Trost und hilft uns in harten Zeiten durch Krisen hindurch.positive-Gedanken-04

Du gehörst also zu den Menschen, die erkannt haben, dass nichts bleibt, wie es ist.

Nichts!

„Vollkommen „wurscht“, ob wir negative oder positive Gedanken denken. Der Wandel geschieht auch vollkommen ohne unser Zutun!“

Ketzerei!

Höre ich es da aus der „NLP-Szene“ rufen. Und auch die „The-Secret-Ecke“ und natürlich die Anhänger von Bärbel Mohr, die trotz ihrer positiv formulierten Wünsche an das Universum leider früh unsere Erde verlassen musste, stehen spätestens dann auf, wenn behauptet wird, das positive Gedanken nichts bringen würden.

Und deshalb gibt es sie heute an jeder Straßenecke.

Die Menschen, die sofort in einer solchen Situation zu ihrem Stift greifen und sich eine ganze Seite voller positiver Sätze und Affirmationen aufschreiben, die sie dann wie ein Leierkasten täglich wiederholen.

Jeder, der ihnen sein Mitgefühl in der Krise gegenüber bringt, muss sich von diesen auch gleich mindestens drei solcher Sätze anhören.

Du lachst jetzt?

Dann ist mir die Übertreibung ja gelungen 😉

Doch geht es mir in erster Linie gar nicht um den Mr. Bean in uns, der alles wörtlich nimmt und dann am Ende sein blaues Wunder mit dieser Herangehensweise erlebt.

Klar, heutzutage darf kein Buch mehr aus dem Bereich Esoterik, Ratgeber und Spiritualität veröffentlicht werden, wenn nicht zumindest einmal der Ratschlag erteilt wurde, positive Gedanken auch in schlechten Zeiten zu pflegen.

Und das hat bei dir und mir so einige Spuren hinterlassen. Spuren, die ich in diesem Artikel ein wenig interpretieren möchte.

In der Hoffnung, dass du dich auf einen Perspektivwechsel mit mir einlassen und neue Erkenntnisse daraus gewinnen magst 🙂

 

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# 1. Du setzt die rosarote Brille auf

Die wohl gängigste und schärfste Kritik, die den Menschen immer vorgehalten wird, die positive Gedanken schätzen, ist wohl die der rosaroten Brille.

Das sind nämlich die Menschen, die ohne das Einverständnis des Gegenübers und manchmal sogar fast missionarisch jeden Ausspruch von anderen Menschen ins Positive verkehren.

Die den Finger auf die Lippen legen, sobald deine Lippen auch nur den Ansatz machen, ein „Nein“ zu bilden.

positive-Gedanken-05Und in weiten Teilen kann ich der Kritik nur recht geben – auch auf die Gefahr hin, dass ich nun einige meiner Leser vergraule.

Aber diejenigen, die mich kennen, wissen auch, dass ich die Themen gerne immer etwas polarisierend angehe. Damit du dich erkennen kannst.

Und natürlich (was noch viel wichtiger ist ;-), damit du deine Freunde, deine Familie, deinen Chef und viele andere Menschen mehr erkennen kannst.

Es ist einfach schwer erträglich, wenn jemand, der in einer schweren Krise steckt, plötzlich damit anfängt, diese Krise zu verleugnen anstatt sie anzunehmen.

 

Wenn wir etwas extrem ausleben, wird es irgendwann problematisch. So zum Beispiel auch der geliebte Ausspruch:

„Wir dürfen jetzt gerade lernen, in der Liebe zu bleiben!“

Bla. Bla. Bla.

Kommt dir diese Formulierung auch bekannt vor? Nein? Dann bist du noch nicht so lange in der „Positiv-denken-Szene“ unterwegs. Denn hier wird gerne plötzlich aus dem ‚ich‘ ein ‚wir‘ und aus dem ‚müssen‘ ein ‚dürfen’…

Weichspülesoterik. Räucherstäbchenromantik.

So nenne  ich das.

In einer Krise müssen wir uns knallhart mit unseren Schattenseiten auseinandersetzen. Wir müssen uns sogar verändern, denn eine Krise ist nur eine richtige Krise, wenn es hier um einen Wendepunkt in deinem Leben geht.

Heute wird ja nahezu alles als Krise oder traumatisch bezeichnet. Der Deutschlehrer hat dich traumatisiert. Du hast eine Krise wegen der ausverkauften Tomaten. Deine Beziehung kriselt, auch wenn du und dein Partner nur eine kleine Meinungsverschiedenheit hatten.

Der Hang zur Übertreibung erhält überall Einzug.

Und auf der anderen Seite wird dann untertrieben.

Die Trennung von Mutter und Kind kurz nach der Geburt für über 6 Stunden: Das wird doch wohl nicht so schlimm gewesen sein…

Ein Autounfall, bei dem wir mit einem blauen Auge davongekommen sind: Warum wir uns nur wieder so anstellen und nicht wieder Autobahn fahren mögen.

Wegen eines Jobverlustes zur Therapie gehen? Das ist ja wohl lächerlich! Jobs gibt es doch wie Sand am Meer.

Die Bedeutung dieser Ereignisse und deren Folgen für unser Sein hat Peter Levine in meinen Augen sehr gut herausgearbeitet. Er geht in seinem Buch „Sprache ohne Worte“ dem bedeutsamen Zusammenhang zwischen der Regulationsfähigkeit unseres autonomen Nervensystems und den äußeren Ereignissen auf den Grund.

Und dann schaltest du in einer echten Krise dein Bewusstsein plötzlich ein und willst die Kurve kriegen durch positive Gedanken?

Während dein Nervensystem gerade richtig zu ackern hat um die Herausforderung zu bewältigen. Um mit der Bedrohung oder der Angst fertig zu werden, die in der Krise steckt. Und du legst einfach deinen neuronalen Neokortex darüber und deckst diese basalen und ureigensten Empfindungen mit einer dicken Schicht positiver Gedanken zu.

Das ist so ähnlich, wie wenn du deine Mahlzeiten immer nur mit ein und derselben Sauce essen würdest. In ihrem Buch „Traumfänger“ beschreibt Marlo Morgan diese westliche Unart sehr eindringlich, wie allem der gleiche Geschmack aufgedrängt wird.

Oder, wie Georg es in seinem Artikel so schön schreibt: Das ist, als wenn du während eines Hausbrandes versuchst, noch eine Brandschutztür zu bauen.

Eine Krise ist ein Ereignis, bei dem dir und mir bewusst wird, was uns vorher nicht bewusst war. Doch kommt diese Erkenntnis meist erst, nachdem die Krise durchlebt ist. Denn in der wahren Krise sind wir nur mit einer Sache beschäftigt: Dem Überleben!

Und dabei kannst du eine Menge über dich und deinen Organismus lernen.

Du kannst lernen und wahrnehmen,

  • wie du reagierst, wenn es brenzlig wird.
  • welche Muster und Programme bei dir noch aktiv sind.
  • wie stark und widerstandsfähig dein Körper ist.
  • wie gut du vorbereitet bist auf möglicherweise unerwartete Situationen bzw. Situationen mit denen du nicht gerechnet hast.

Doch kannst du das nur, wenn du nicht in dem Augenblick, wenn die Krise auftritt, deine komplette Sauciere auf einmal über deinen Teller ergießt.

Kennst du den ureigenen Geschmack einer Krise und kannst du ihn wahrnehmen? Bist du bereit, dich auf die wahren Gefühle und Körperempfindungen einzulassen? Ganz zu leben?

Und die Brille des „Vermeiden-Wollens“ unangenehmer Empfindungen und Gefühle absetzen?

 

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#2. Du änderst durch positive Gedanken nichts am aktuellen Ergebnis

Hier sei noch mal das Beispiel mit dem Regen und der Sonne aufgegriffen.

Wandel gehört zum Leben dazu. Er geschieht. Unabhängig von uns. Das besagt auch eines der Schöpfungsprinzipien: Das Prinzip des Zyklus.

Das ist gut zu wissen, denn das gibt dir Vertrauen, dass sich die Dinge wieder zum Guten wenden.

Doch ist ein Zyklus erst einmal in Gang, dann will er auch vollendet werden.

Soll heißen: Die Ernte muss erstmal eingefahren werden. Das, was auf dem Feld steht – d.h. deine Situation, dein Ergebnis – musst du erst einmal sehen und vom Acker herunterholen.positive-Gedanken-06

Natürlich kannst du die Krise auch einfach so stehen lassen und alles, was an Unschönem dort zu sehen ist, einfach ignorieren. Und dann nimmst du dir deine neuen „Positive- Gedanken-Samen“ und wirfst sie einfach auf den Acker.

Wenn die Natur und du alles richtig machen, wirst du nach ein paar Monaten schöne Ergebnisse haben. Doch der Unrat von der Krise ist noch immer dazwischen und stört irgendwie das Bild- oder nicht?!

Geh also deine Schattenseiten an, die in der Krise auftauchen und schau dir deine Schwächen an, die noch in Stärken gewandelt werden können.

Nutze die Situation so richtig aus, um deinen Boden zu beackern und daraus guten, neuen Humus herzustellen. Lass dem bearbeiteten Boden auch etwas Zeit, damit sich hier ein gutes Milieu bilden kann – z.B. für die Mikroorganismen, welche die Bodenqualität zusätzlich und auch dauerhaft verbessern.

Was ich damit meine ist: Die Krise hat einen Zweck und einen Sinn. Du kannst an ihr wachsen und dich „veredeln“.

 

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#3. Du verwirrst dein Unterbewusstsein noch mehr

Deine Situation ist nicht die, die du gerne hättest, sonst wärest du nicht in einer Krise.

Vielleicht hast du die Krise schon kommen sehen und dich mit aller Kraft dagegen gestemmt. Sie abgelehnt und vermeiden wollen, dass du nun den Abgrund hinunter musst.

Dann hast du vorher die ganze Zeit schon negative Gedanken gehabt. Nämlich eine Denkweise oder Denkart, mit der du dich von dem, was du schon auf dich zukommen sahst, entfernen wolltest.

Und nun, wo die Krise eingetreten ist, vermittelst du dir: „Das ist schon alles nicht so schlimm!“

Was lernt dein Unterbewusstsein über Krisen in dem Fall? Genau! So sehr sie sich auch dagegen stemmt, nachher sagt sie sowieso, dass es alles nicht so schlimm ist. Warum also einen Unterschied machen?

„Dein Unterbewusstsein ist intelligent. Es registriert plötzliche Richtungswechsel in der Art des Denkens.“

 

Ich verstehe… Du möchtest gerne ein anderes Ergebnis bzw. dir die Situation so angenehm wie möglich machen. Doch ein Richtungswechsel dieser Art signalisiert deinem Unterbewusstsein leider: Jetzt erst, wo du die Krise hast, setzt du bewusste, ja sogar positive Gedanken ein.

Doch vorher? Keine Spur davon. Dann muss wohl eine Krise her, damit du dieses mächtige Werkzeug der positiven Gedanken endlich zu deinem Vorteil einzusetzen weißt.

Denn dein Unterbewusstsein will, dass du dich optimal entwickelst. Wer also ohne Krise nicht bewusst das Denken einsetzt, der muss eben durch die nächste Krise lernen.

Swantje Gebauer

About the Author

Swantje Gebauer

Swantje Gebauer ist Kinesiologin und Gründerin der Akademie für inneren & äußeren Wandel. Sie hilft dir blockierende Glaubenssätze zu lösen und den Muskeltest bei dir selbst anzuwenden, damit du die Antworten deines Körpers noch besser wahrnehmen kannst.

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